Aus der Anfangszeit

Anfangs wurde nur mit dem Kloot geworfen und sonntags im Törn von vier Wochen geübt. Einmal warf man vom Gasthof Dierks aus in Richtung Ostermoor, das andere Mal ab der Gastwirtschaft Wilken in Richtung Carstens und weiter zum Galgenberg, heute Am Flach.

Nachdem sich einige Werfer herangebildet hatten, fand bereits am 23. Juni 1907 der erste offizielle Wettkampf gegen Ocholt statt. Diesem gingen einige Plänkeleien seitens der Ocholter vorauf. Unsere Werfer gewannen aber mit einem Vorsprung von 1 Schoet und 25 Träe.

Hier sollte ein Pressebericht erscheinen Auch ein Wettkampf gegen die Rostruper am 19. Januar 1908 wurde mit 2 Schoet Vorsprung gewonnen.

Doch der Wettkampf gegen Ocholt scheint nicht das erste Kräftemessen dieser Art gewesen zu sein. Aus einem Zeitungsbericht des „Ammerländer“ geht hervor, daß bereits 1889 ein Wettkampf gegen Westerstede stattgefunden hat. Die Westersteder gewannen mit 3 Schoet.

Geworfen wurde damals mit einem 6/10 Pfund schweren Kloot. Es standen sich jeweils 6 Mann gegenüber. Auch innerhalb des Dorfes organisierte man Wettkämpfe. So warfen 12 „Höhere“ aus dem südlichen Ortsbereich Buurnhörn, Köterhörn und Ägypten gegen 12 „Osternbörger“ aus dem nördlichen Ortsbereich Osterkamp und Ostermoor.

Ein Höhepunkt in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg war das 6. Winterfest des Friesischen Klootschießerverbandes in Westerstede am 11., 12. und 13. Januar 1913. Torsholter Werfer unterstützten den gastgebenden Klootschießerverein Westerstede. Für die Werfer und sonstigen Festteilnehmer wurde eigens ein Sonderzug von Ellenser Damm nach Westerstede eingesetzt. Der Festplatz und das Werfergelände waren zu diesem Anlaß in Halstrup hergerichtet.


Die Zeit zwischen den Weltkriegen

Im Weltkrieg 1914 – 1918 mußten viele Klootwerfer zu den Fahnen eilen und fürs Vaterland kämpfen. Leider sind mehrere Vereinsmitglieder gefallen.

Während des Krieges ruhten die Übungen im Klootschießen vollständig. Zögernd begann man Ende 1919 wieder mit dem Werfen. „Auch das Schleuderballwerfen sowie das Steinstoßen und der Wettlauf sollen geübt werden“, hieß es in einer Versammlung.

Der Antrag, den Namen in „Turn- und Sportverein“ zu ändern, fand aber keinen Zuspruch.

Das Klootschießen ließ dann mehr und mehr nach, während das Boßeln mit bleidurchgossenen Holzkugeln immer beliebter wurde. Übungen und Wettkämpfe fanden in unregelmäßigen Abständen statt. Aus dieser wechselhaften Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sind leider keine Aufzeichnungen vorhanden.

Zwei Begebenheiten sind es wegen ihrer Originalität aber wert, niedergeschrieben zu werden:

Bei einem Klootschießerwettkampf gegen Grünenkamp klagte August Hobbiejanßen über Schmerzen im rechten Arm. Georg Carstens, sein Bahnweiser, rief ihm daher vor dem Wurf zu: „Smiet man mit links!“ Die Grünenkamper staunten über die Weite des Wurfes. Später stellten sie dann fest, daß er Linkshänder war.

Georg Tholema, sonst ein Werfer von Format, hatte es fertiggebracht, auf der Klinkerstraße neben der Schmiede abzuwerfen, die Kurve auszuwerfen, dann über den Driangel bei Dierks und weiter durch das Fenster der Gastwirtschaft zu werfen. Die Scheibe war in tausend Scherben zersprungen, und die Boßelkugel lag nach genauem Hinsehen im Blumentopf auf der Fensterbank.

Die Mitgliederstärke des Vereins in den 30er Jahren ist auf einem 1931 vor der alten Gastwirtschaft Wilken aufgenommenen Foto zu erkennen. Siebenmal nacheinander hatten die Werfer seinerzeit Wettkämpfe gegen Nachbarvereine gewonnen. Ausgerechnet der Wettkampf nach dem Fototermin ging dann verloren.

1931 – Werfer des Boßelervereins vor der Gastwirtschaft WilkenVon links nach rechts
Hermann Brunken, Gerhard Deetjen, Johann Leffers, Friedrich Brunken, Georg Janßenharms, August Dierks, Georg Leffers, Johann Dierks, Wilhelm Leffers, Johann Buhr.

Heinrich Ahlers, Johann Brunken, Georg Bruns, Johann Scholljegerdes, Heinrich Deetjen, Friedrich Jeddeloh, Johann von Aschwege, Diedrich Hoffbuhr, Emil Janßen, Wilhelm Wichmann, Friedrich Grimm, Friedrich Leffers.

Georg Schmidt, Wilhelm Logemann, Friedrich Bödecker, Georg Wilken, Georg Carstens, Gerhard Wilken, Johann Buhr.

 


 

Nach 1945

Viele Vereinskameraden mußten im 2. Weltkrieg ihr Leben lassen; andere waren noch in Gefangenschaft.

Der Klootschießer- und Boßelerverein sollte aber weiter bestehen. Daher hat der damalige Bezirksvorsteher Hermann Stamer mit Genehmigung der Militärbehörde im Winter 1945/46 alle Freunde des Klootschießens und Boßelns zu einer Versammlung in die Gastwirtschaft Dierks eingeladen. Diese war gut besucht, und man beschloß, den Boßelbetrieb sofort wieder aufzunehmen. Als vorläufiger Vorsitzender wurde Fritz Reiners bestätigt, der auch in der Vorkriegszeit den Vorsitz hatte. Als Vereinslokal wurde der Gasthof Dierks vorgeschlagen.

Der erste Übungstag wurde gleich auf den nächsten Sonntag angesetzt. Zu den älteren, erfahreneren Boßelern hatten sich viele junge Anfänger gesellt. Schon nach einigen Übungstagen konnte der erste Wettkampf am 8. April 1946 mit 30 Werfern gegen Rostrup ausgetragen werden. Bei den ersten Hössenwettkämpfen in Westerstede nach dem Kriege errang eine Torsholter Mannschaft am 19. Mai 1946 auf der Weidebahn den 2. Platz.

In der Folgezeit fanden mehrere Boßelwettkämpfe gegen Nachbarvereine statt, die teils mit bleidurchgossenen Holzkugeln und teils mit Gummiboßeln ausgetragen wurden. In guter Erinnerung sind noch die Fahrten zu den Boßelwettkämpfen nach Edewecht-Ost, später Jeddeloh, mit dem Pferdegespann von Fritz Bennje oder die Fahrten mit Grimms Treckergespann nach Haarenstroth, Wiefelstede und Moorburg. Aber auch ein Ausflug des Vereins mit der Dorfbevölkerung zum Neuenburger Urwald ist bei der älteren Generation noch in guter Erinnerung. Der Fahrpreis für die Busse betrug 6 Reichsmark und ein Hühnerei für jeden der 171 Teilnehmer.

Um die Schüler schon früh an das Heimatspiel heranzuführen, haben unsere Hauptlehrer Heinrich Klees und später Hinrich Boyn wertvolle Pionierarbeit geleistet. In den Turnstunden führten sie Boßelübungen durch, die von den „Jungen“ sehr gut angenommen wurden. Dabei kam es immer wieder vor, daß gegen Ende der „Turnstunde“ der Boßel ganz bewußt in den Graben geworfen wurde, so daß zumindest eine Gruppe ihn suchen mußte. Für diese Schüler fiel natürlich die nächste Unterrichtsstunde aus. Und das wurde von den Boßelsuchern verständlicherweise stets bedauert.

Die ältere Generation, die nach 1945 nicht so richtig in Schwung kam, wurde daher zu einem Wettkampf gegen die Boßeler aus Mansie-Lindern eingeladen. An einem Sonntag im November 1953 warfen je 25 Männer gegeneinander, die alle älter als 45 Jahre waren. Der älteste Werfer aus Mansie-Lindern, der Höltjer Gerhard Bruns, stand kurz vor seinem 92. Geburtstag. Johann Bennje aus Torsholt war mit 78 Jahren Torsholts ältester Werfer.

Über den Ausgang des Werfens schrieb der Reporter Fied Binder im „Ammerländer“ in seiner Schlußbetrachtung:

„Wo’t Smieten utgahn is? Ja, wo weer’t noch. 275 Meter Verschäl weer dr man blot twüschen de beiden Parteien. Dat is bi 50 Smieters so vääl at nicks. Wer wunnen hett? Ick weet nich mehr, un dat deiht d’r uck nicks to. Üm Schöet un Trä smieten schöllt de Jungen. Wat över 45 is, smitt för Spill un Art. Un darbi schallt bliewen bit to’n Wedderdropen in Tössholt“.

 

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