Erzählungen älterer Boßeler

Im Jahre 1927 ist ein Wettkampf gegen die Howieker Boßeler ausgetragen worden. Der Abwurf war bei Gastwirtschaft Wilken. Nach dem verlorenen Wettkampf muß wohl noch ordentlich gefeiert worden sein. Wie man hört, haben alle noch anwesenden Käkler (Werfer) und Mäkler (kritische Zuschauer und Rufer) aus einem 2 m langen Ferkelbock Schnaps geschlürft.

Heinrich Ahlers weiß zu erzählen, daß Wilhelm Wiechmann und er 5 mal hintereinander an einem Sonntagnachmittag gegen Johann und Heinrich Eickhorst die Strecke von Wilken bis zur Hauptstraße geboßelt haben. Grund: Gebrüder Eickhorst wollten unbedingt einmal gewinnen.

Um 1936 wurde ein Wettkampf mit allen Beschäftigten der Mühle einschließlich der Nachbarn Emil Janßen und Heinrich Klees gegen das ganze Dorf ausgetragen. Dieser Wettkampf wurde knapp von den Beschäftigten der Mühle gewonnen, obwohl alle Werfer 3 Tage lang vorher haben Kessel klopfen müssen (Dampfkessel des Elektrizitätswerkes).

Bei einem Klootschießerwettkampf gegen Grünenkamp klagte August Hobbiejanßen über Schmerzen im rechten Arm. Georg Carsten rief ihm dann vor der Ausübung des Wurfes zu: „Smiet man mit links“. Die Grünenkamper staunten über die Weite des Wurfes, obwohl er mit links geworfen wurde. Später stellten sie dann fest, daß August Hobbiejanßen Linkshänder war.

Georg Tholema, sonst ein Werfer von Format, hat es doch fertiggebracht, beim Schmied abzuwerfen. die Kurve auszuwerfen, dann über den Driangel bei Dierks, weiter durch das Fenster der Gastwirtschaft zu werfen. Die Scheibe war natürlich in Tausend Stücke. Der Boßel lag nach genauem Hinsehen im Blumentopf, der auf der Fensterbank stand.

In der Anfangzeit nach dem Kriege wurde zu Wettkämpfen des öfteren ein Pferdegespann oder ein Treckergespann für die Personenbeförderung eingesetzt. So fuhren wir mit einem Trecker und Anhänger von Grimm zu einem Wettkampf nach Haarenstroth. Die Haarenstrother Boßeler hatten in der Saison schon 96 Schoet gewonnen und wollten gegen die Torsholter Werfer ihren 100sten Schoet buchen. Die Torsholter Heimatspieler blieben aber Sieger und nun war die Freude bei den Torsholter natürlich groß. Unserem Vereinswirt Erich Dierks muß das wohl soviel Freude gemacht haben, daß er zu Hause anrief und für alle Torsholter Werfer Bratkartoffeln und Spiegeleier bestellte. Daß die Kartoffeln dafür erst vom Kamp geholt werden mußten, sei nur nebenbei erwähnt.

Mit 171 Personen machten wir 1947 zusammen mit Freunden und Bekannten einen Ausflug zum Neuenburger Urwald. Es wurden Busse von Klostermann und Imken eingesetzt. Die Fahrtkosten betrugen seinerzeit 6 Reichsmark und 1 Hühnerei pro Person.

Mit einem Pferdegespann von Fritz Bennje fuhren wir zu einem Wettkampf nach Jeddeloh (Edewecht Ost): Bei solchen Fahrten gab es immer sehr viel Spaß.

Nachdem Torsholt 1948 Austragungsort des Kreisboßelfestes war, ging 1949 die Fahrt zum Kreisboßelfest nach Wiefelstede. Auch hier fuhren alle Teilnehmer mit dem Trecker von Grimm. Leider konnten die Torsholter hier keinerlei Urkunden erringen.

Im Sommer 1949 trugen sich folgende Kuriositäten zu: Der Boßeler Johann Kruse hatte von sich gegeben, daß er bei einem Wettkampf gegen einen anderen Werfer des Vereins auf der Strecke von Dierks bis zum Galgenberg und zurück als Sieger hervorgehen würde. Unser Stellmacher und früherer Vorsitzender des Boßelvereins, Georg Carstens, hatte für den Sieger eine Karre ausgesetzt. An einem sonnigen Sommertag trat Helmut Renken den Wettkampf gegen Johann Kruse an. In Begleitung war die neue Karre mit einem Faß Bier und als Käkler und Mäkler fast alle Mitglieder des Vereins. Als Sieger ging Helmut Renken mit einigen Metern hervor. Der Boßelertag wurde feuchtfröhlich beendet, wie man verstehen wird.

<<von Gerhard Bruns, Emil Logemann, Günter Hobbiejanßen>>

Es war ein kalter November-Sonntag um 1950
In Torsholt fand ein Freundschaftswettkampf gegen einen befreundeten Verein statt. Die Straße von Hobbiejanßen Richtung Wilken bestand noch aus Klinkerpflaster mit einem Sandweg an der Mühlenseite. Bei einem Wurf mit dem Gummiboßel geschah es, daß die Kugel in den Löschteich beim Spritzenhaus plumpste. Mit Forke und Harke konnte der Boßel nicht gerettet werden. Kurz entschlossen zog Karl Wöbken sich bis auf die Unterhose aus und unternahm einen Tauchversuch ins eiskalte Wasser. Die Boßelkugel wurde gerettet. Da kein Handtuch in der Nähe war, nahm Karl seine sieben Sachen unter den Arm und lief im Laufschritt nach Dierks Gasthof um sich abzutrocknen. Eine Erkältung nach dem Tauchmanöver ist nicht bekannt geworden.

Beim Kreisboßelfest in Osterscheps am 16.6.1951 hatten mehrere Torsholter Boßeler Butterkuchen gegessen und waren zum Teil drei Wochen danach noch bettlägerig. Ob die Enteneier angebrütet waren?

Am 15. November 1953 fand in Lindern ein Wettkampf mit 30 Werfern über 45 Jahren statt. Ältester Mansier: Hölter Bruns mit 91 Jahren. Der älteste Torsholter: Johann Bennje mit 78 Jahren.

Über den Ausgang des Werfens schrieb Fied Binder im „Ammerländer“ in der Schlußbetrachtung:

„Wo´t smieten utgahn is? ja, wo weert noch, 275 Meter Verschäl weer d´r man blot twüschen de beiden Partien, dat is bi 50 Smieter so väl at nicks. Wer wunnen hett? Ick weet nich mehr, un dat deiht d´r uck nicks to. Um Schoet un Trae smieten schöllt de Jungen. Wat öwer 45 is, smitt för Spill un Art. Un dorbi schallt bliewen bit to´n Wedderdropen in Tössholt.“

Aus der Ablage alter Unterlagen wurden folgende Schriftstücke vom 12.10.1960 und 31.03.1961 entdeckt:

    Gerold Janßen erklärte sich bereit, bei 5 Wettkämpfen eine Flasche Klaren für eine Junggesellenköppel auszugeben, wenn der Köppel gewinnt. Falls der Koopmann nicht mit seinen 5 Flaschen im Jahr auskommt, erklärt sich Kröger Erich Dierks bereit, den restlichen Klaren auszugeben. Die Gruppe muß gegen die vom Vorstand bestimmte Gruppe werfen. Unterzeichnet für den Boßelverein: Fritz Reiners, Gerhard Bruns, für die Stifter: G.Janßen, Erich Dierks.
    Da Gerold Janßen und Erich Dierks sich bereit fanden, für ein Junggesellenköppel für gewonnene Wettkämpfe eine Flasche Klaren auszugeben, fühlen Fritz Reiners, Ernst Grimm und Heino Bödecker sich kräftig genug, für das zweite Junggesellenköppel nach gewonnenem Wettkampf eine Flasche Schluck auszugeben. Dies wurde mit Unterschrift bestätigt.
      In der Generalversammlung vom 31.03.1961 wurde beschlossen, daß Gerold Janßen und Erich Dierks für das Köppel von Rudolf Marken und Fritz Reiners, Ernst Grimm und Heino Bödecker für das Köppel von Friedrich Renken die Flasche Klaren nach den abgemachten Bedingungen auszugeben.

Köppel Marken:

      Rudolf Marken, Jan Bennje, Günter Renken, Gerold Leffers, Horst Fresemann.

Köppel Renken:

    Friedrich Renken, Günter Wilken, Erich Oeltjen-Bruns, Gustav Marken.

Am 5. Dezember 2004 stand die Landesliga-Begegnung der Männer I gegen Halsbek auf dem Spielplan.

Bereits vor dem Anwurf war die Freude der Torsholter Männer auf die bevorstehende Weihnachtsfeier riesengroß. Diese wurde im Verlauf des Wettkampfes immer größer. Unsere Männer wußten genau, daß die Wahrscheinlichkeit, Halsbek beide Punkte abzunehmen von Saison zu Saison größer wurde. Heute, am Tag vor Nikolaus, in der 3. Landesliga-Saison seit 1990, sollte ein denkwürdiger Tag werden. Die Halsbeker waren „reif“ für eine Niederlage in Torsholt.

Im Wettkampf wurde den Halsbekern gezeigt, daß man in Torsholt mit Landesmeistertiteln keine Punkte holen kann. Nach dem letzten Wurf stand fest: Unsere Männer siegten deutlich mit 7:0 Schoet – beide Punkte blieben in Torsholt.

Die Freude des Sieges ging auch auf unsere treuesten Boßelfans über. Diese spendierten spontan ein Faß Freibier.

Nachdem die Halsbeker nach Stunden die gesellige Runde verließen, gingen die Torsholter Boßelerinnen und Boßeler zur Weihnachtsfeier über. Nach einer Stärkung am kalt-warmen Büffet feierte man noch einige Stunden zusammen mit dem Nikolaus.

Es war ein historischer Wettkampftag!

 

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